Wasserstoff-Antrieb

Müllwagen sammelt nicht nur Abfall, sondern auch Messwerte

In Oldenburg war seit Montag, 12. August 2019, ein besonderer Müllwagen unterwegs: Das Fahrzeug sammelte nicht nur den Inhalt der Mülltonnen ein, sondern erfasste auf den Touren durch das Stadtgebiet zugleich auch verschiedene Daten zum Energieverbrauch. Volker Schneider-Kühn, Betriebsleiter des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) der Stadt Oldenburg, erläutert den Hintergrund: „Wir beschäftigen uns momentan sehr intensiv mit regenerativen Antriebstechnologien in Form von Wasserstoff für Abfallsammelfahrzeuge.“

„Bluepower“-Konzept soll getestet werden
Der AWB und die EWE haben großes Interesse daran, das vom Müllfahrzeughersteller FAUN entwickelte „Bluepower“-Konzept auf Müll-Sammeltouren in Oldenburg zu testen. In einer gemeinsamen Absichtserklärung dokumentieren die Partner ihren ernsthaften Willen, an dem Thema zu arbeiten. Die EWE unterstützt damit die Etablierung von Wasserstoff im Verkehrssektor und beabsichtigt mittel- bis langfristig den Aufbau einer klimafreundlichen Wasserstoffwirtschaft. Der AWB wird dabei von der Wirtschaftsförderung der Stadt Oldenburg unterstützt. Die von der Firma FAUN entwickelte Antriebstechnik kombiniert ein vollelektrisches Fahrgestell mit Batterie und Wasserstoffbrennzelle.

Müllwagen ermittelt spezifische Messwerte
Um diese innovative Technologie für den täglichen Einsatz praxistauglich zu machen und auf örtliche Bedürfnisse abzustimmen, müssen zunächst einmal spezifische Daten gesammelt werden. Wie oft hält der Müllwagen, damit die Mülltonnen aufgeladen und entleert werden können? Wie lange dauert die Tonnenentleerung? Wie viele Kilometer legt das Fahrzeug dabei auf welcher Tour in welcher Zeit zurück und welche Höhenunterschiede gibt es dabei zu bewältigen? Welche Energien werden für die einzelnen Schritte benötigt? Dafür stellt die Firma FAUN einen herkömmlichen Müllwagen mit Dieselmotor zur Verfügung, der mit speziellen Sensoren und sensibler Messtechnik ausgestattet ist.

Testphase dauert zwei Wochen
Das Fahrzeug wurde vom AWB zwei Wochen lang sowohl in der Restmüll- als auch Biomüllsammlung eingesetzt. So sollten wichtige Informationen über den Energiebedarf und die Dimensionierung der Antriebstechnik erfasst werden. „Es macht natürlich auch kostenmäßig einen großen Unterschied, ob eine, zwei oder drei Brennstoffzellen benötigt werden“, erklärt Betriebsleiter Volker Schneider-Kühn. Auf Grundlage der bei den Touren erhobenen Messwerte wird vom Fahrzeughersteller analysiert, wie ein für den Einsatz in Oldenburg geeigneter Sammelwagen konfiguriert sein müsste.
 
Beitrag zum Klimaschutz
Der AWB plant mittelfristig, einen emissionsarmen Müllwagen auf die Straßen zu bringen. „Wir wollen umweltfreundlicher werden und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dieses Projekt ist dazu der erste Schritt und soll die wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen klären“, sagt Schneider-Kühn.