# Mitsprache

„In einer Zeit, in der die Neuverhandlung des Miteinanders von Frauen und Männern stattfindet, in einem Moment der größten Unruhe und Verwirrung, ist es die Literatur, die für Aufklärung sorgt. Nirgends sonst wird unsere Realität in all ihren Facetten abgebildet, nirgends sonst darf Denken, Fühlen und Handeln gleichzeitig passieren. Und nirgends sonst darf all das erzählt werden, was sonst nicht erzählt werden würde“, heißt es in der Verlagsankündigung der Erzählungen von 17 Autorinnen, die im Sommer 2018 unter dem Titel Sagte sie von Lina Muzur bei Hanser Berlin herausgegeben wurden. Die taz sieht ihre Veröffentlichung als Beleg dafür, dass der Feminismus gerade „ein Zentimeterchen Terrain“ gewinnt. Wobei die Unhörbarkeit von Frauen schon länger nicht mehr das zentrale Problem darstelle. Inzwischen, so die taz, gehe es vielmehr um die Zuweisung von Bedeutung. Der Mainstream sei nach wie vor „Malestream“ und halte weibliche Ansichten für nicht so relevant.

Stimmt, denke ich. Und erinnere mich daran, dass noch vor ungefähr 20 Jahren männliche Literaturkritiker mit dem niedlichen Begriff „Fräuleinwunder“ auf die Tatsache reagierten, dass binnen kurzer Zeit gleich mehrere jüngere und auch nicht mehr gar so junge Autorinnen, jedenfalls keine „Fräuleins“, in namhaften Literaturverlagen veröffentlicht wurden.

Feridun Zaimoglu hat sich schon lange zum Fürsprecher der Frauen gemacht. Sein neuer Roman Die Geschichte der Frau ist aber radikaler und feministischer als alles, was er bisher veröffentlicht hat, denn jetzt erzählt der Schriftsteller die Menschheitsgeschichte aus weiblicher Perspektive. Zehn außerordentliche Frauen vom Zeitalter der Heroen bis in die Gegenwart lässt er dabei zur Sprache kommen. Wir schließen uns seinem Impuls des Sicht- und Hörbarmachens weiblicher Positionen an und stellen im aktuellen Programm zwei weitere starke Frauen vor: Die Fotografin, Ethnologin und Dichterin Ilse Schneider-Lengyel (1903-1972) mit ihrem vielschichtigen, noch zu entdeckenden Werk und die zu Unrecht vergessene Vogelkundlerin Len Howard (1894-1973). Ilse Schneider-Lengyel gehörte in den 1920er Jahren zu jenen Frauen, die in die Moderne aufbrachen. Der Literaturwissenschaftler Peter Braun entwirft auf der Grundlage des erst spät entdeckten Nachlasses ein Porträt der Künstlerin. Von der Lebensgeschichte Len Howards, einer Pionierin der Tierforschung, ließ sich die niederländische Schriftstellerin Eva Meijer zu ihrem Roman Das Vogelhaus inspirieren. Überflüssig zu betonen, dass auch und gerade Männer bei diesen Veranstaltungen sehr willkommen sind.

Ed