05.03.2018

Gemeindenotfallsanitäter entlasten den Rettungsdienst

Oldenburg. Der Rettungsdienst im Oldenburger Land sieht sich – ebenso wie die Notaufnahmen in den Kliniken – einer steigenden Belastung ausgesetzt. Bei einem Großteil dieser Einsätze ist jedoch eine notfallmedizinische Versorgung durch den Rettungsdienst nicht erforderlich, sondern es fehlt an einer Alternative, die die Patienten in ihrer zwar unklaren, aber oft nicht lebensbedrohlichen Situation professionell unterstützt. Diese Aufgabe könnten künftig so genannte Gemeindenotfallsanitäter übernehmen. Deren Einsatz wird in einer zweijährigen Erprobungsphase getestet. Die umfangreichen Vorarbeiten dafür hat eine Projektgruppe geleistet, der die Berufsfeuerwehr der Stadt Oldenburg, das Deutsche Rote Kreuz Cloppenburg, der Malteser Hilfsdienst Oldenburg und Vechta sowie der Rettungsdienst Ammerland angehören.

Eine wichtige Anforderung war, dass die Hilfe für den Bürger weiterhin aus einer Hand, also durch den Rettungsdienst organisiert und durch die Rettungsleitstelle eingesetzt wird. Damit bleibt sichergestellt, dass auch bei akuten Krankheitsbildern die Rettungskette ohne Verzögerungen funktioniert. Nach zweijähriger Planungs- und Entwicklungsphase wechselt dieses durch die Krankenkassen finanzierte Projekt mit dem Arbeitstitel „Gemeindenotfallsanitäter“ nun in die Umsetzungsphase. Bereits nach den Sommerferien werden die ersten zukünftigen Gemeindenotfallsanitäter ihre intensiven Vorbereitungen auf ihr neues Aufgabengebiet beginnen. Hierzu arbeiten das Malteser Schulungszentrum Nellinghof und die Rettungsdienstschule der Berufsfeuerwehr Oldenburg eng zusammen. Neben einer fundierten schulischen Ausbildung ist auch ein umfangreiches praktisches Training in verschiedenen Bereichen der Versorgung von kranken Menschen vorgesehen. Zur Unterstützung in der Einsatzsituation kann der Gemeindenotfallsanitäter auf telemedizinische Unterstützung aus dem Klinikum Oldenburg zurückgreifen.

Die Rettungsleitstelle setzt den Gemeindenotfallsanitäter bei einem unklaren Hilfeersuchen unterhalb der Notfallschwelle als medizinische Fachkraft vor Ort ein und verschafft sich somit ein klares Bild. Vor Ort leistet der Gemeindenotfallsanitäter direkte Hilfestellung und greift bei Bedarf auf das Netzwerk der ambulanten Versorgung zurück. Somit ist es zukünftig nicht mehr erforderlich, bei niederschwelligen Einsätzen direkt einen Rettungswagen zu entsenden.
Das Projekt wird in der zweijährigen praktischen Erprobungsphase durch die Universitäten Oldenburg und Maastricht sowie das Klinikum Oldenburg wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Die niedersächsischen Krankenkassen und die beteiligten Rettungsdienste erwarten durch das Projekt eine deutliche Reduzierung unnötiger Einsätze in der Notfallrettung.